Sakramente

Taufe

Sie haben gerade Nachwuchs bekommen?
Dann möchten wir Ihnen von ganzem Herzen zur Geburt Ihres Kindes gratulieren.

Durch die Taufe werden wir zu Kinder Gottes. Dies bedeutet, dass wir unsere Kinder mit der Taufe unter den Schutz Gottes stellen und ihnen dadurch die Möglichkeit bieten jederzeit zu Gott zu kommen, egal auf welche Irrwege sie das Leben führt. Denn Gott ist immer und für alle da, die sich zu ihm bekennen.

Deshalb kann sich jeder, nach einer angemessenen Vorbereitungszeit, egal wie alt er/sie ist, taufen lassen. Wie Sie aus der nachfolgend beschriebenen "Entwicklung der Taufzeremonie" ersehen, wurde es eigentlich erst in letzter Zeit üblich Kleinkinder und nicht Erwachsene zu taufen.

Wenn Sie sich oder Ihr Kind taufen lassen möchten, dann kommen Sie zu unseren Bürozeiten ins Pfarrbüro ( Mi und Fr 9 - 12:30, Do 16 -19 Uhr) mit folgenden Dokumenten:

Vom Kind:
Meldezettel
Geburtsurkunde (Formular "mit Angabe der Eltern")

Von Eltern, die kirchlich getraut sind:
Trauungsschein
Taufscheine beider Eltern

Von Eltern, die nur standesamtlich verheiratet sind:
Heiratsurkunde
Taufscheine der Eltern

Von nicht verheirateten Müttern:
Taufschein der Mutter
Taufschein des Vaters, wenn dieser auf der Geburtsurkunde eingetragen ist
Vaterschaftsanerkennung und eventuell Namensgebung

Von den Paten:
Taufschein
Adresse
Trauungsschein (falls kirchlich verheiratet)

Sollten Sie sich noch für keinen Namen für Ihr Neugeborenes entschieden haben - hier zwei kleine Hilfen: "Namenssuche" und hier die 10 häufigsten Vornamen in Österreich.

TAUFE VOM NEUEN TESTAMENT BIS HEUTE


BIBLISCHE UND FRÜHCHRISTLICHE PRAXIS

Die Taufe ist im Neuen Testament ein zentrales Thema. Sie begegenet uns bei JOHANNES DEM TÄUFER, der das Endgericht Gottes verkündet und zur Umkehr aufruft. Von Johannes getauft zu werden bedeutete den Untergang einer alten, verfehlten Lebensorientierung. Gleichzeitig aber die Neuorientierung auf Gott hin. Auch Jesus lässt sich von Johannes taufen und veranschaulicht damit seine innere Gesinnung: Die Orientierung aufs Kommen des Reiches Gottes. Jesus ordnet sich mit dieser Tat in die Reihe der "Sünder" ein und erklärt sich mit dem ganzen jüdischen Volk solidarisch. Johannes dürfte etliche Anhänger um sich geschaft haben. Wahrscheinlich gehörten auch einige der späteren Jesusjünger zuerst zu Johannes. Im Unterschied zu Johannes steht bei Jesus aber nicht die Androhung des Gerichtes Gottes im Mittelpunkt, sondern zentraler Inhalt der Botschaft Jesu ist das Heil und das Reich Gottes.

Dass Jesus selbst getauft hat, ist eher unwahrscheinlich, bleibt aber letztlich unklar. Wenn im Neuen Testament von der Taufe gesprochen wird, dann spiegeln diese Texte eher die frühchristliche Praxis wider. Hier lassen sich Unterschiede zwischen JOHANNESTAUFE und der CHRISTLICHEN TAUFE erkennen. Zwar handelt es sich bei beiden um eine Umkehrtaufe, die christliche Taufe ist aber die Taufe auf den Namen Jesu (Apg 2,38) bzw. auf den dreifaltigen Gott (Mt 28,19b) und hat "kirchlichen" Charakter. Das heißt, die CHRISTLICHE TAUFE IST EINGLIEDERUNG IN DIE KIRCHE - INITIATION. Mit der Taufe im Wasser ist auch schon im Neuen Testament die Überzeugung der Gabe des Heiligen Geistes untrennbar verbunden. Ebenso wird von einer Handauflegung bzw. von der Salbung mit dem Heiligen Geist im Zusammenhang mit der Taufe gesprochen. Hinsichtlich der Frage, ob im frühen Christentum auch schon Säuglinge getauft wurden, bleibt vieles unklar.


DIE EINHEIT DER INITIATIONSFEIERN

Spätestens ab dem 2. Jahrhundert ist die Kindertaufe sicher bezeugt. Die Normalform blieb aber noch immer die Erwachsenentaufe. All jene, die sich taufen lassen wollten, bereiteten sich eine längere Zeit auf die Taufe vor. Diese Vorbereitungszeit nennt man "Katechumenat", die Taufbewerber "Katechumenen". Ab dem 4. Jahrhundert tritt die Kirche in eine neue Phase ihrer Geschichte ein: Sie wird von einer im römischen Imperium verfolgten Kirche zu einer freien Kirche, die sich entfalten kann, ohne sich verstecken zu müssen. Auch das Katechumenat hat sich dadurch verändert und gewandelt.

Die ZEIT DES KATECHUMENATS (insgesamt ca. 3 Jahre) bestand aus sogenannten "Unterweisungen", verschiedenen gottesdienstlichen Feiern, Gebeten und Handauflegungen. Nicht das theoretische Glaubenswissen allein war ausschlaggebend, sondern eher die Lebensführung als angehende/r Christ/in. Während dieser Zeit (und auch später) stand jedem/r Katechumene/n ein/e Bürger/in aus der christlichen Gemeinde als Begleitung auf diesem Weg zur Seite. Aus den Bürgern ist im Laufe der Geschichte das Patenamt hervorgegangen.
Ein paar Wochen vor dem Tauftermin begann die Zeit der näheren, intensiven Vorbereitung. Nun war es fix, wer sich tatsächlich taufen lassen wollte. Die Taufbewerber wurden ab nun "ERLEUCHTETE" oder "ERWÄHLTE" genannt. Besondere Gottesdienste und Riten in dieser Zeit waren Exorzismen, der Ritus der Einschreibung, Umkehr, Buße und die Übergabe des Glaubensbekenntnisses sowie des Vater unsers. Der Exorzismus hat mit dem gleichnamigen Film wenig bis gar nichts zu tun. Dem Sinn nach ist er die Bitte an Gott, den Menschen vom "Bösen" zu befreien bzw. von ihm fernzuhalten. Darin wird klar, dass die Taufe bzw. ein Leben aus dem Glauben zwar eine personale Entscheidung ist, aber nicht aus eigener Kraft, sondern nur mit der Hilfe Gottes möglich ist. - Keine Entmündigung des Menschen, sondern eine Entlastung, alles aus eigener Kraft leisten zu müssen. Durch die Übergabe des Glaubensbekenntnisses und des Vater unsers wird versinnbildlicht, dass es um die Initiation, also die Eingliederung und Einweihung ins Leben als Christ/in geht, zu dem die beiden Gebete wesentlich dazugehören.

Der ursprüngliche Tauftermin war die OSTERNACHT. Die Feier der Osternacht war damals noch eine Ganznacht-Feier von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Die Initiation war ein wesentlicher Bestandteil der Osternachtfeier. Dazu gehörten die Gebete über dem Öl und dem Wasser, das Wasserbad und die Salbung mit Öl. Sowohl das Wasserbad als auch die Salbung waren nicht auf bestimmte Körperstellen (z. B. Kopf oder Stirn) beschränkt, sondern umfassten den ganzen Körper - das Wasserbad durch Untertauchen und Übergießen. Die Riten wurden vom Bischof oder von Presbytern bzw. Priestern und Diakonen vollzogen. Wasserbad und Salbung fanden in eigenen Taufhäusern oder Räumen mit entsprechend großen Taufbecken statt, den sogenannten "Baptisterien". Wo es die örtlichen Verhältnisse zuließen, wurde vorhandenes Fließwasser - wie Quellen oder Flüsse - genutzt. Nach dem Wasserbad und der Salbung kamen die Neugetauften mit brennenden Kerzen aus dem Baptisterium zur übrigen versammelten Gemeinde. Dort salbte der bischof als Abschluss den Kopf und legte den Neugetauften die Hände auf - verbunden mit dem Gebet um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Das Kreuzzeichen auf die Stirn und der Friedenskuss waren ebenfalls Bestandteil dieses Schlussritus, der die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden besiegeln sollte. Den Neugetauften wurde ein weißes Festkleid als Zeichen für das Neugetauft-Sein überreicht, das sie die ganze Woche bis zum "Weißen Sonntag" trugen. Im Anschluss an die Taufe nahmen die Neugetauften erstmals an der Eucharistiefeier, dem Ziel der Initiation, teil.

Die Feiern der Initiation, beginnend mit dem Katechumenat bis hin zur Taufe und Salbung durch den Bischof sowie die Ersteucharistie, bildeten in der frühen Kirche eine sichtbare Einheit. Besonders die zentralen Riten - also Taufe und Firmung - gehörten untrennbar zueinander.


TAUFE VOM FRÜHMITTELALTER BIS HEUTE

Ab dem 4. Jahrhundert nehmen die Säuglingstaufen immer mehr zu, bis sie im Mittelalter der "Normalfall" werden. Damit verliert das Katechumenat als Vorbereitungszeit für Erwachsene aber an Bedeutung. Einige Elemente und Riten, die ursprünglich ihren Platz im Katechumenat hatten, wachsen mit der Feier der Taufe selbst zusammen. Mit dem Aufkommen einer verengt verstandenen und damit beängstigenden Lehre von der "Erbsünde" war man bestrebt, die neugeborenen Kinder möglichst rasch nach der Geburt zu taufen. Damit war aber Ostern als symbolträchtiger Tauftermin hinfällig geworden. Im Vollzug verkürzten sich Symbole und Symbolhandlungen auf stilisierte Zeichen. - So z. B. das weiße Kleid; aus dem ursrpünglichen Taufbecken wurde der Taufbrunnen oder gar nur noch ein Taufstein, weil nur noch Kinder getauft wurden. Die Taufe durch Untertauchen musste dem Übergießen des Kopfes weichen. Schließlich wurde aus dem Taufbrunnen der verschlossene Taufwasserbehälter. Das zeugt von einem Verständnis, bei dem es nicht mehr um die Taufe an sich ging, sondern um die Herstellung heiliger Materie (Taufwasser, heilige Öle, ...). Der Bezug der christlichen Gemeinde zur Taufe verschwand und die Taufe wurde zu einer Familienfeier.

Durch die LITURGIEREFORM NACH DEM ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZIL wurde der Charakter der Tauffeier als Feier der Gemeinde wieder stärker betont. Im vollzu ger Feier wird mehr auf die Situation der unmündigen Kinder Rücksicht genommen, als vorzüglicher Tauftermin werden die Osternacht bzw. der Sonntag genannt. Außerdem gibt es angesichts einer wachsenden Zahl erwachsener Taufbewerber wieder eine mehrstufige und sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Form der Eingliederung Erwachsener in die Kirche - auch für Schulkinder oder Jugendliche. Dabei steht das Hineinwachsen in die christliche Gemeinde im Vordergrund, die "ganzheitliche" Integration, die das gesamte Leben der Taufbewerber umfassen soll.

siehe hierzu auch FIRMUNG VOM FRÜHMITTELALTER BIS HEUTE.

Seminarunterlagen für das
Firmbegleiter/innen-Seminar der KJ Wien 2002
[Quelle: Johannes OJAK]

Zurück zu Sakramente